April 2018

Start in das Leben als Wasserzigeuner

Überführung von Füstrup nach Brandenburg Havel

Das Boot habe ich im November 2017 erworben und in der Marina „Alte Fahrt“ in Füstrup ins Winterlager gelegt. Natürlich haben wir, also mein jüngster Sohn und ich, das Boot schön eingepackt mit einer riesigen Plane. Obwohl es etwas unbefriedigend war nicht mehr zu fahren, waren die Krantermine fix und ich musste mich dem beugen.

Am 1. April ging es dann los. Das Boot war wieder im Wasser, alle Batterien wurden gewechselt auf AGM und unsere erste Aktion war tanken. Da passt schon was rein in die beiden Tanks. Der Vorvorbesitzer hat uns noch zu einem Kaffee eingeladen und dann legten wir ab.

Tanken in Fuestrup
Tanken in Füstrup. Wir sind schon ganz ungeduldig, aber gut Ding braucht Weil

Wir fahren also auf dem Dortmund- Ems- Kanal Richtung Norden zum nassen Dreieck. Am nassen Dreieck beginnt der Mittellandkanal und geht dann in Magdeburg an der Schleuse Hohenwarthe in den Elbe- Havel Kanal über. Mir war dieser Abzweig schon bekannt, hatte ich doch vor drei Jahren meinen Motorsegler aus Papenburg abgeholt. Wir werden nicht mehr weit kommen, da wir mit dem Einrichten und Betanken der Caribbean einiges an Zeit verloren haben. Aber wir wollen ja auch nicht hetzen.

Sohn konzentriert am Ruder.

Tatsächlich schaffen wir nur ca. 8km in den Mittellandkanal hinein und legen an einem Metallsteg für die Nacht an. Die anfängliche Ruhe ist schnell vorbei, in der Nähe wird scheinbar eine Hochzeit gefeiert und bis morgens um drei Uhr ist Stimmung in der Umgebung. Zusammen mit der ersten Nacht auf dem Boot war an Schlaf kaum zu denken: ob das Boot richtig festgemacht ist, ob die Berufsschifffahrt etwas den Schub reduziert, ob das Geplätscher so in Ordnung ist ..
Na es war alles in Ordnung, das Boot lag bombensicher und überrannt hat uns auch niemand. Einzig mein Schlaf ging irgendwo verloren 🙁

Deutlich entspannter ging es dann weiter. Unterwegs begegnete uns tatsächlich schon ein Segelboot, sonst war von Sportbooten kaum etwas zu sehen. Die Sonne kommt raus und wir machen unterwegs an einem hübschen Platz Rast. Ein Vorgeschmack auf das Jahr 2018!
In Minden bleiben wir zur Nacht und liegen vor den Lastkähnen an der Spundwand.

Der nächste Tag beginnt mit einem Schrecken. Ich habe die Fly kontrolliert und dabei die Plane abgedeckt. Sah alles gut aus, zum Fahren war’s zu kalt, also wieder drüber die Kapuze. Nach dem Frühstück soll’s also weiter gehen, Schlüssel rum von der Backbordmaschine und … nix. Steuerbordmaschine versucht und brummt wie eine Eins.
Viel Aufregung und viel rauf und runter springen, aber nichts hilft! Dazu keine Ahnung von nix. Also sacht der Skipper (also ich), da müssen wir wohl Starthilfe geben. Leicht gesagt, nicht so leicht getan. Es ist natürlich kein Starthilfekabel an Bord. Also schnell in die Puschen und ab zur nächsten Tanke. 24€ für ein paar spillerige Kabel, weil Sonntag ist. Schnell die Batterien verbunden, vorglühen, und läuft 🙂 .

Später stellt sich heraus, ich habe mit der Plane den Leerlauf der Backbordmaschine verstellt. Das war eine Sicherung, damit das Boot nicht unkontrolliert los brummt beim Starten. Außerdem habe ich nur eine Starterbatterie. Das Überbrücken war also Quatsch, hat nur die Sicherungsvorrichtung außer Kraft gesetzt.

Yachthafen Hannover

Nun wollen wir aber langsam Strecke machen. Nächster Halt ist ein kleiner Yachthafen in Hannover. Wir liegen direkt im Schwell der Berufler, vor uns eine Stahlyacht auf Überführung zu einem Vercharterer. Strom haben wir gebucht, aber, wie wir am nächsten Morgen feststellten, angekommen ist keiner. Eigentlich hätten wir auch gar keinen gebraucht, aber den Inverter habe ich erst später gefunden.
Man merkt schon, alles ist neu und wir sind mehr als unsicher in der Bedienung. Früh geht’s los und unsere erste Schleuse liegt an. Mit Herzklopfen und viel Trara rauschen wir ein und .. stehen quer.
Mein Fehler, ich hätte vielleicht meinem Sohn mal sagen sollen, dass er die Leine belegen kann aber nicht das Boot einfangen. Klar das sich die Caribbean quer legt. Wo soll der Dampf denn auch sonst hin?

Schleuse Hannover Anderten

Der Rest der Schleusung verläuft ohne weitere Aufregung und wir fahren weiter. Nächste bemerkenswerte Ortschaft ist Wolfsburg. Die Autostadt liegt direkt am Mittellandkanal und wir sehen am Ufer die Vorführstrecke für Touaregs und Co. . Etwas weiter zurück liegt das Phaeno, ein von der irakischen Architektin Zaha Hadid entworfenes Gebäude, welches aufgrund des komplexen Baukörpers manches Bauunternehmen in die Verzweiflung trieb. Einige Zeit galt es gar als unbaubar. Ein weiterer Stolz der Stadt ist das neue Stadion, welches ebenfalls direkt am Kanal liegt.
Die Schleuse Sülfeld im Osten Wolfsburgs bietet mit 9m Hubhöhe keine Überraschungen und wir laufen gegen Abend in Haldensleben in einem kleinen Yachthafen ein. Obwohl laut Internet geöffnet war kein Betreiber zu erreichen. Auch das Restaurant war geschlossen und verwies mit einer „lustigen“ Botschaft darauf, dass zwar gearbeitet wird, aber nicht immer und auch nicht regelmäßig!(?) Irgendwann ging dann doch Licht an im Gebäude und wir durften unseren Obolus entrichten. Leider war, dem frühen Zeitpunkt in der Saison geschuldet, außer sanitären Anlagen nichts weiter geboten.

VW- Werk mit angrenzender Autostadt.
Details aus Wolfsburg

Am nächsten Morgen freuen wir uns auf das nächste Highlight: die Trogbrücke bei Magdeburg über die Elbe. Ein Bauwerk, gestützt von Hoffnungen für den Güterverkehr auf dem Wasser. Irgendwie hat sich das nicht bestätigt, die Elbe-Havel Wasserstraße ist im Vergleich zum Mittellandkanal wenig belebt.
Vor der Trogbrücke muß man sich telefonisch oder per Funk bei der Schleuse Hohenwarthe melden. Wer das versäumt (die Schilder sind teilweise recht schwer zu erkennen) muß mit einem deutlichen Mecker rechnen, wenn nicht gar mit einem Knöllchen.

Trogbrücke Magdeburg, Blick Richtung Osten.
Vor, in und nach der Schleuse Hohenwarthe
Hier beginnt der Elbe- Havel Kanal mit Kilometer 380 und ist somit die Fortführung des Mittellandkanals. Weiterhin ist Richtung Osten bergauf.

Im Elbe- Havel Kanal wird es deutlich ruhiger. Die Strecke bis Elbe-Parey ist sehr schön, vor allem der Niegripper See bei Burg mit dem kleinen Wassersportverein TUS Empor. Dieser liegt in einem kleinen Seitenarm und ich hatte dort mit meinem Motorsegler einmal übernachtet. Der Tiefgang war damals für 1m Festkiel ausreichend, aber sicherheitshalber sollte man vorher mal anrufen.

In Burg steigt mein Sohn aus und ich fahre den Rest allein. Es wird zeitlich etwas eng, da es ja um diese Jahreszeit früh dunkel wird. Um Genthin ist es eher industriell und landschaftlich nicht besonders prickelnd. Das ändert sich nach Genthin wieder und ich laufe auf Wusterwitz mit seiner Schleuse zu. Der Sportbootanleger an Steuerbord (Fahrtrichtung bergauf) ist zwar mit einer Rufanlage ausgestattet, jedoch scheint diese, wie schon die Jahre davor, nicht zu funktionieren. Außer einem nervige Tuuuuut passiert nichts. Das kostet mich mit anlegen, ablegen und den Versuchen an der Rufanlage 15 Minuten. Ich rufe die Schleuse also um 17:20 Uhr an (Schleusenzeiten sind bis 18:00 Uhr lt. Internet) und bekomme erst mal vorsorglich mitgeteilt, dass schon geschlossen ist! Die Dame fragt sicherheitshalber noch einmal nach und siehe da, für ein nachfolgendes Fahrgastschiff wird noch geschleust. Hier darf ich mit und laufe gegen 18:10 Uhr in die Seenlandschaft um Brandenburg Havel ein.
Es ist schon reichlich dunkel, aber die Betonnung hat Blinklichter. Das Fahrgastschiff ist zu schnell für mich und zieht unaufhaltsam davon. Im Plauer See hilft mir die Ortskenntnis aus früheren Jahren und ich komme wohlbehalten, bei mittlerweile völliger Dunkelheit, im Quenzsee an. Ich leuchte den Hafen mit meinem Bugscheinwerfer nach einem Liegeplatz aus und belege gegen 19:00 Uhr, mit Problemen aber erfolgreich, in der Marina Casamare.

Vor Wusterwitz und Liegeplatz Casamare Anfang April.

Mitte April besuchen mich Christine und Hartwig mit ihrer Wavuvi, einer ca. 14m langen italienischen Motoryacht, begleitet von Stew, dem Bordhund. Ich hatte im Forum um Hilfe nachgesucht, zu besseren Anlegemanövern zwischen Pfählen und dem Handling mit zwei Maschinen überhaupt.

Meine Probleme:
– die Pfähle stehen ca. 5m auseinander, ich bin nur 3,35m breit
– die Pfähle sind ca. 12m vom Steg entfernt, ich bin nur 9,3m lang
– Schwell und Wind machen mir beim rückwärts Fahren zu schaffen

Auswirkungen:
Wenn die Pfähle so weit auseinander stehen kann das Boot zwischen diesen hin und her schwoien. Nicht nur parallel zu diesen, sondern natürlich kann sich das Boot dann auch quer stellen und in das Nachbarschiff treiben (und wird dies auch tun!).
Ist der Abstand zum Steg/Ufer zu groß, dann muß man sich herantasten. Also die belegten Bugleinen immer wieder fieren, bis man dicht am Steg ist. Dummerweise kann ich vom Vorschiff aus meine Badeplattform nicht sehen. Und ich muß immer paarweise fieren, damit das Boot gerade in der Box bleibt. Ein elendes Gewurgse!

Die beiden haben sich von Berlin Grünau aus auf den Weg gemacht, um mir bei den Manövern zu helfen. Tolles Ding, hierfür noch mal ganz doll DANKE! Wir plaudern viel bis spät in die Nacht und üben die nächsten Tage einige Manöver. Dann müssen die beiden wieder nach Berlin, da dort diverse Termine anliegen. Aber wir werden uns wiedersehen und, soviel kann ich vorweg verraten, es entsteht eine wunderbare Freundschaft :-))

Bugkajüte, Achterschiff, Liegeplätze in der Umgebung

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