September 2019

Dortmund-Ems Kanal, Rhein-Herne Kanal, Rhein

03.09.2019

Ein Gespräch mit der Filiale meines Optikers ergibt, das bisher noch nichts eingetroffen ist. Auch auf einen Lieferschein kann nicht zugegriffen werden. Entgegen dem üblichen Verfahren wird mir versprochen, dass ich die Brillen an eine Abholstation senden lassen kann. Damit ist klar, dass ich nach langem und vergeblichen Warten morgen Vormittag aufbrechen werde.
Gestern Abend hatte ich noch schöne Bilder von den Lokalitäten bei Nacht gemacht. So etwas ist immer schön anzusehen.

Am Morgen waren es nur 17°C im Boot, ungewohnt nach den letzten Tagen. Da der monatliche Testlauf der Heizung noch anstand, habe ich zum Frühstück ordentlich eingeheizt. Hat sofort geklappt, hier ist also kein Wartungsbedarf. Heute war der Himmel dauernd bedeckt. Da mein Liegeplatz nur knapp vier Stunden in der Sonne liegt, war gegen Abend die Versorgerbank auf 11,8V herunter. Zeit für den Generator. Auch hier hat alles sofort geklappt, die monatlichen Kontrollen zahlen sich aus.

Meine Vorräte gehen zur Neige. Wasser ist am Ende und etwas einkaufen muss ich auch. Das wird dann morgen Vormittag erledigt.

04.09.2019

Nächster Stopp: Dattelner Meer. Was sich so schön liest ist ein Wasserstrassenkreuz. Ich liege am Abzweig Hamm-Datteln Kanal an einem freien Anleger, ein Tipp aus dem Boote Forum. Wir erkunden den Uferbereich und machen es uns dann gemütlich. Morgen will ich tanken, damit ich auf dem R>hein in in Bedrängnis gerate.

05.09.2019

Ich verlege nach dem ersten Spaziergang in die Liegestelle an der Kanalstrasse. Von hier aus ist die Tankstelle in ca. 1 km Entfernung zu erreichen. Klingt erst mal gut. Ich ziehe also mit meinem Bollerwagen los. Leider ist unterwegs eine Schikane in Form einer elend langen Treppe eingebaut. Danach geht es über die Brücke und dann bergab zur Tanke.
Das bedeutet mit vollen Kanistern bergauf und dann die Treppe runter. Angestrebt waren 180l, also sechs mal hin und her. Es werden aber nur 80l, dann habe ich die Nase voll.
Vor der Schleuse Herne- Ost kann ich den Rest bunkern, 200l und der Tank ist voll. Ohne die Überführung mit Hartwig im Frühjahr hätte ich diese Möglichkeit verpasst.
Gegen 18:00 Uhr mache ich in Oberhausen am Anleger für Fahrgastschiffe fest. Das darf ich auch laut Schild außerhalb der Fahrzeiten. Wann diese sind sagt mir das Schild aber nicht. Na ja, in der Nacht wird wohl keiner kommen. Wir werden sehen.
Morgen geht es in den Rhein bis zum Motor-Yacht-Club Düsseldorf e.V.. So zur Eingewöhnung und wegen Wasser, duschen, Wäsche. Für die 20 km Rhein, die beiden Schleusen sowie den Rest des Rhein-Herne Kanals veranschlage ich mal sechs Stunden.

06.09.2019

Auf dem Weg in den Rhein. Leinen los um 07:30 Uhr, dann warten vor der Schleuse Oberhausen.

07.09.2019

Die Nacht haben wir im Paradieshafen in Düsseldorf-Lörik verbracht. Die Einfahrt in den Hafenbereich gestaltet sich recht simpel und am Kopfsteg kann man leicht festmachen. Bertelchen hat den Strand genossen, nach acht Stunden auf dem Wasser war das auch verdient.
Am Morgen gehen wir noch einmal an den Strand und gegen 09:15 werfen wir die Leinen los. Eine Strecke von 45km liegt vor uns, bei knapp 7km/h gegen den Strom wieder ein langer Tag.

Bis 13:00 läuft alles hervorragend. Ich liege gut in der Zeit und die Caribbean läuft tapfer ihren Kurs. Aber dann kommt es dicke. Bei Rheinkilometer 720 kommt mir rechtsseitig ein Tankmotorschiff entgegen und in der Mitte befindet sich ein Pulk Paddeler. Zwischen diesen Pulk und den Tanker will ich nicht, also weiche ich aus auf die gegenüberliegende Seite, die flache Seite. Tiefenmesser ist an, Flachwasseralarm steht auf 1m, das entspricht einer echten Tiefe von ca. 1,5m.
Ich beobachte die Paddler, um wieder mehr in die Strommitte zu gehen, da laufe ich unverhofft auf Grund, zeitgleich mit dem Flachwasseralarm! Ich reiße das Ruder herum und die Caribbean schiebt sich mit dem Restschwung wieder in tieferes Wasser. Ich gebe verzagt wieder Gas und bemerke Vibrationen. Nicht zu schlimm, aber eben doch da. Das hat also Dellen gegeben.

Ich kann nichts machen und muss weiter bis nach Hitdorf. Bei km 718 passiere ich ein auf Grund gelaufenes Motortankschiff. Wasserschutzpolizei ist vor Ort, an der rechten Seite liegt die Fähre und voraus kommt ein Containerschiff rückwärts auf mich zu. Will vermutlich das Motortankschiff vom Grund ziehen. Ich schlängele mich durch, ohne von der Wasserschutzpolizei beachtet zu werden. Die haben jetzt anderes zu tun.

Als wenn es nicht genug gewesen wäre für einen Tag öffnet der Himmel seine Schleusen. Hagel, Gewitter, Starkregen und Böen fünf Kilometer vor dem Zielhafen. Eine Plane der Kuchenbude ist noch aufgerollt und so wird die Caribbean nass. Nicht so schlimm, wird sich in der Bilge sammeln. Aber ich kann bei dem Wetter nicht vom Steuer weg, um die Plane zu schließen.

Gegen 15:45 laufe ich in den Hafen Hitdorf ein und mache am Gastlieger fest. Nun bleibt mir nur noch die Schadensmeldung an die Versicherung und . . warten 🙁

08.09.2019

Ich liege im YC Wuppertal-Hitdorf wie im zeitigen Frühjahr mit Hartwig und der Wavuvi auch. Damals schon sind uns die Ratten aufgefallen, Nutrias wie, wir uns belehren ließen. Diesmal konnte ich sogar einige Bilder machen. Ganz schön groß die Biester. Hier werde ich bis zum 10. bleiben und dann nach Köln Mülheim in die Werft verlegen.

10.09.2019

Die Fahrt zur Heipa Werft in Köln Mülheim war problemlos. So ab ca: 1600U/Min werden Vibrationen bemerkbar, aber nicht besonders schlimm. Natürlich horchte ich jetzt auf jedes Geräusch. Gegen 12:30 Uhr mache ich an einem kleinen Steg direkt vor der Werft fest, der Chef persönlich nimmt mich in Empfang. Ein kurzer Bericht und ein schneller Blick in den Motorraum, dann bin ich wieder allein. Vor mir muss noch der Antrieb aus einem Schweizer Hotelschiff an Land gehoben werden. Der ist defekt. Das zieht sich, weil noch ein Turbo das Herausheben blockiert. Die Mechaniker- Crew der Heipa Werft fliegt ein und montiert den Turbo ab. Dann schweben die 1,5t Antrieb aus dem Schiff.
Direkt im Anschluß ist die Caribbean dran. Die Traverse wird passgenau über dem Rumpf positioniert, kurzes Anheben und Prüfen und schon bewegt sich die Caribbean in 15m Höhe durch die Luft. Für die Nacht sind Böcke vorbereitet und die Caribbean wird darauf abgesetzt. Erste Schadenskontrolle und Erleichterung kommt auf. Der Propeller an der Steuerbordseite ist stark verbogen, die Backbordseite hat kaum etwas abbekommen. Das Unterwasserschiff, die Ruder und die Wellen scheinen keinen Schaden genommen zu haben.

11.09.2019

Gut geschlafen habe ich nicht. Nur auf Zehenspitzen bewege ich mich durch das Boot und nachts fehlte mir das Schaukeln. Kurz vor 8:00 Uhr brechen Berti und ich auf zum morgendlichen Spaziergang. Kaum kommen wir wieder zurück steht auch schon der Werftchef Herr Pannenbecker mit Monteur bereit, die Props sollen runter.
Wenn es einfach wäre, dann könnte das ja jeder. Einen Abzieher ordentlich zu positionieren ist nicht ganz leicht. Die Ruderblätter stehen im Weg und die Krallen finden kaum eine Lücke zum greifen. Mehrere Abzieher werden versucht und schließlich passt einer mit austauschbaren Krallen so einiger- massen. Etwas Hitze hilft, die Verbindung zu lösen und mit ein- zwei herzhaften Schlägen gehen die Propeller von der Welle.
Mein Ersatz aus der Backskiste hat ein paar kleinere Kampfspuren und an der Welle sind leichte Einlaufspuren wegen nicht ganz passenden Keilen zu sehen. Das können Herr Pannenbecker und sein Monteur so nicht stehen lassen und bearbeiten die Propeller und die Keile nach. Die Stellen auf der Welle werden angeschliffen und poliert, dann kann der neue alte Satz montiert werden. Vorher wird noch das Spiel der Wellen geprüft, beide Seiten sind innerhalb der Toleranzen. Etwas Montagepaste für den nächsten Wechsel und die Caribbean ist wieder bereit für die nächsten Fahrten.
Insgesamt zwei Stunden hat es gedauert wovon mir nur 1,5 Stunden berechnet werden. Für meine Fragen standen Herr Pannenbecker und der Monteur geduldig zur Verfügung. Dabei ergibt sich, das die Steigung der Propeller zu groß ist. Das Drehzahlband ist zu gering und sollte erweitert werden. Weiterhin wäre eventuell eine Rumpfverlängerung in Form eines Heckblechs sinnvoll. Eine Idee, über die ich nun intensiv nachdenken werde.

Um ca. 14:30 Uhr verlasse ich die Werft und nehme Kurs auf Köln Mondorf. Die Caribbean läuft rund und ich entspanne mich langsam. Gegen Abend erreichen wir die Anlage hinter der Fähre und machen beim mittleren Yachtclub fest. Dort ist man kräftig am Feiern und ich bin herzlich willkommen. Erst um 23:00 Uhr bin ich wieder auf dem Boot und Ruhe kehrt ein.

12.09.2019

Es geht nach Oberwinter in einen großen modernen Yachthafen. Die Fahrt verläuft ohne Aufregungen, nur die Strömung ist an manchen Stellen etwas biestig. Die Einfahrt wird durch eine zerbeulte, nicht lesbare Markierung angezeigt. Prompt fahre ich an der falschen Seite durch, jedoch ohne Probleme, da immer noch ca. 1,50m tief.
Ich belege am Gaststeiger in der Nähe des Pfannenkuchenschiffs und erkunde das Umfeld. Fußläufig erreichbar sind ein Supermarkt und eine Tankstelle. Das wird beides genutzt. Da der Yachthafen sogar Bollerwagen zur Verfügung stellt hole ich 60l Diesel. Getankt wird aber erst morgen im Pionierhafen Neuwied.

13.09.2019

Heute soll es also nicht ganz so weit gehen, nur bis Neuwied. Dort gibt es eine große Marina, welche ungefähr in der Mitte der Reststrecke bis Koblenz liegt. Trotzdem sind es immerhin noch ca. drei Stunden Fahrt.
Die Einfahrt ist etwas verdeckt angelegt, dass Hinweisschild teils versteckt hinter Bäumen. Ich warte einen entgegenkommenden Frachter ab und lege Ruder nach Backbord. Die Zufahrt scheint recht flach zu sein, teilweise zeigt mir mein Tiefenmesser nur noch 80cm an. Das sind immerhin noch ca. 1,30m und so gelange ich unbeschadet in den Hafen.

Die Anlage zeichnet sich aus durch ein elend langes Hafenbecken mit dem Charme einer militärischen Anlage, meterhohe Spundwände rahmen das Idyll ein und bis zu den sanitären Anlagen ist es ein ordentliches Stück Weg. Dafür ist es teurer als in Oberwinter. Spazieren gehen ist auch nicht so reizvoll, daher kommt ein längerer Aufenthalt nicht in Betracht. Obwohl ich eine Pause gebrauchen könnte werde ich zeitig nach Koblenz weiter fahren.

14.09.2019

Bis Koblenz sind es noch ca. 2 1/2 Stunden. Die Strömung ist ganz ordentlich, ich bekomme fpr die Caribbean bestenfalls 7km/h Geschwindigkeit angezeigt. Koblenz ist eine schöne Stadt, nicht zu groß, aber alles da was man braucht. Zudem reichlich Historie zum Anschauen. Hier werde ich etwas bleiben.

Ich fahre in die Rheinlache und finde einen Liegeplatz im Yachtclub Rheinlache. Die Promenade ist toll angelegt und bepflanzt und zieht sich bis hin zum deutschen Eck. Einmal hin und zurück mit Hund (der bremst nicht schlecht, ist doch jeder Grasbüschel interessant) dauert gut zwei Stunden. Aber das haben wir uns auch verdient. Mehrmals laufen wir diese Strecke und es wird nie langweilig.

In Koblenz bleibe ich bis zum Mittwoch, dann geht es in die Mosel. Leider war in der Mosel nur sehr schlechter Internetempfang, so dass mein letztes Posting verloren ging.

18.09.2019

Die Zeit in Koblenz war schön. Das Wetter hat gepasst, wir konnten viel Spazieren gehen und die Solaranlage hat unsere Batterien immer schön voll gehalten. Aber irgendwann hat jeder Spaß ein Ende, es muss weiter gehen.
Um 09:30 Uhr laufe ich aus der Rheinlache aus in den Rhein und dann biege ich in die Moselmündung ein. Schon im Rhein- Herne-Kanal waren die Anleger für Sportboot vor den Schleusen kaum vorhanden. Meistens musste man treiben oder irgendwie an einer Wand belegen. Das ist hier vor der Schleuse Koblenz ähnlich. Ich melde mich per Telefon zum Schleusen an und soll in die Vorschleuse einfahren. Das mache ich und sehe vor mir die weiße Flotte in die Schleuse einfahren. Der Schleusenwärter ruft zurück (!) und ich darf direkt mit rein. Klappt alles und ich bin in der Mosel.
Der Gegenstrom hat merklich nachgelassen im Vergleich zum Rhein. Vielleicht 3km/h maximal, so macht das wieder Spaß.
Die Mosel zeigt sich grün! Eine echte Wohltat für Auge und Seele. Die Weinfelder, vorher nur zögerlich am Ufer zu sehen nehmen hier die alles beherrschende Stellung ein. Immer wieder bestaune ich, wie jedes Zipfelchen mit Weinreben bebaut ist. Teilweise muss das eine sehr aufwändiger Anbau sein!

Gegen späten Nachmittag komme ich in Cochem an. Den kleinen Stadthafen hätte ich beinahe übersehen, liegt die Einfahrt doch direkt hinter der Brücke. Ich finde noch einen freien Platz und mache fest. Was für ein Panorama! Vor mir die Burg, _sehr_ präsent auf dem Berg, auf der rechten Seite Cochem für Touries, neben mir etwas ruhiger aber eigentlich das Gleiche. Ob hier auch Einheimische wohnen? Hier gibt es jedenfalls viel zu sehen und zu erwandern. Das machen wir auch bis zum 23.09.2019. Hinter mir machen noch zwei Damen fest und wir halten öfter einen Plausch auf dem Steg. Die beiden fahren ebenfalls am 23. wieder weiter und wir sehen uns in Traben-Trarbach wieder.

Was mich regelrecht erschlägt sind die Menschenmassen! Wie auf dem Weihnachtsmarkt wird man durch die Innenstadt geschoben und, wie ich, irgendwo am Rand abgeladen. Ich flüchtete durch eine kleine Gasse (Fuchsgasse?) und fand mich am Moselufer wieder. Bertelchen war auch etwas pikiert, hatte er doch einige Sorgen um seine Pfoten. Hier haben wir uns ein Würstchen (Berti) und eine Currywurst mit Pommes rotweiß (ich) gegönnt und dann schnell weg hier. Erst gegen Abend wird es wieder ruhiger und man kann sich in die Stadt trauen.

Ich erkunde die mich umgebenden Weinberge und muss schon sagen, das Wandern hier ist schön. Der Ausblick ist einfach Klasse und ich bin erstaunt, wie schnell man an Höhe gewinnt. Am Abend vor meiner Abreise sehe ich einen kleinen Schlepper und eine GFK- Yacht mit Fly auf Cochem zulaufen. Wie sich heraus stellt sind beide im gleichen Forum wie ich aktiv. Leider bin ich recht früh unterwegs und kann niemanden begrüssen.

23.09.2019

Es geht weiter Richtung Trier/Konz wo die Saar in die Mosel mündet. Da die Mosel teilweise große Schleifen bildet werde ich noch zwei Tage benötigen. In Zell machen wir Rast und besorgen uns ein Gyros. War aber nicht so toll, ich sollte zukünftig immer darauf achten, dass der Laden auch gut besucht wird.
Gegen späten Nachmittag treffe ich in Traben-Trarbach die beiden Damen mit ihrer Stahlschiff wieder und entschließe mich hier ebenfalls für die Nacht zu bleiben. Es folgt der schon zur Gewohnheit gewordenen Plausch auf dem Steg und dann geht es zum Einkaufen und Spazieren gehen.

Nahezu die gesamte Tour über wird die Mosel von der Bahnstrecke begleitet. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Campingplätze. Aber scheinbar kann man sich daran gewöhnen denn diese sind ziemlich gut belegt.

24.09.2019

Also ich am nächsten Morgen losfahre ist bei den beiden Damen scheinbar noch niemand auf. Ich lege ab, nehme Gas raus und gehe aufs Vordeck um aufzuklaren. Die Fender waren für den Steg tiefer gesetzt und werden jetzt wieder korrekt für die Schleusen vorbereitet. Nachdem alles kontrolliert ist und passt nehme ich wieder Fahrt auf. Ein letzter Blick und ich sehe die beiden Damen heftig zum Abschied winken. Ich lehne mich aus dem Fenster und winke zurück: gute Fahrt euch beiden und kommt gut an!
Es geht weiter die Mosel bergauf. Es wird nicht ganz klappen bis Trier, davor kommt noch eine langgezogene Schleife. Die Fahrt verläuft ohne Probleme, unterwegs finde ich gar eine Steg niocht weit von einer Tanke entfernt. Also noch mal eben 120l Diesel gebunkert und meine Fender durfte ich auch noch nachpumpen. Dann geht es weiter zur nächsten Schleuse. Dort treffe ich unverhofft auf eine Forumskollegen. Gemeinsam gehen wir durch diese und die nächste Schleuse, dann trennen sich unsere Wege, der Kollege steuert eine Marina an.
Ich fahre noch eine Stunde weiter und rausche an einem Campingplatz vorbei, einem Hafenbecken, eine Steganlage, wieder ein Hafenbecken.. Moment mal, Steganlage? Da könnte ich mich doch mit ranlegen. Ich stoppe auf und lege mich hinter eine GFK- Yacht. Die liegt hier wohl schon länger, die Stromkabel sind für längere Zeit in die Ritzen gestopft. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, zu welcher Anlage der Steg gehört. Moselherz eventuell? Zumindest wird auf dem Weg zum Hafenbecken Moselherz als Inhaber angegeben. Das ist aber ein Stück entfernt.
Ich schnappe mir den Hund und wir gehen spazieren. Beim Hafenbecken gibt es ein Restaurant namens Moselherz. Aber alles duster. Wir gehen weiter und kommen nach einer halben Stunde wieder zurück. Immer noch alles duster. Also ab aufs Boot, Abendessen kochen. Beim Kochen steht auf einmal ein Mercedes am Ufer. Ob der was von mir will? Aber es steigt keiner aus, vermutlich also einer, der nur mal zum Wasser wollte. Und so machen wir uns bettfertig und dann gehen die Lampen aus.

25.09.2019

Am nächsten Morgen ist die Landschaft noch ordentlich in Watte gepackt. Wir spazieren los und finden unterwegs reichlich Walnüsse. Ich stopf mir die Taschen voll (was mir die Hose mal so richtig einsaut) und laufe etwas beklemmt (?) hinter dem Hund her. Über Nacht sind die wohl bei Wind und Regen abgeworfen worden. Die Taschen sind also voll, der Hund (ähm) bespasst und wir wollen frühstücken. Am Boot steht ein Mädel und scheint auf mich zu warten. Und tatsächlich, die Tochter vom Inhaber 🙂
Gestern Abend wollte man nicht mehr stören und daher.. Nach einem netten Plausch zahle ich meine Rechnung und bekomme sogar noch blaue Trauben geschenkt. Das ist doch mal richtig nett. Dann klare ich auf und wir legen ab. Trier oder Konz soll es werden, je nachdem wo wir einen schönen Liegeplatz bekommen.

Kurz vor Trier wird das Wetter regnerisch. Ich laufe auf eine Engstelle zu welche kurz vor einer Kurve liegt. Hinter mir kommt die weiße Flotte auf. Ich sortiere mich an Backbord ein und lasse den Dampfer durch. Das wir gern gesehen und ich erhalte einen Gruß vom Käpt’n. Und dann schiebt sich aiuch schon die Nase eines Frachters um die Kurve. Ich nehme also Gas ganz raus und treibe langsam stromab. Der Frachter setzt die blaue Tafel und die beiden Berufler passieren einander. Plötzlich geht mein Flachwasseralarm los. Was das angeht bin ich im Moment etwas schreckhaft, Gang rein, Leerlaufdrehzahl anheben (geht bei mir elektrisch) und ich bewege mich wieder zur Strommitte. Ist auch gleich wieder Ruhe beim Tiefenmesser und ich fahre weiter Richtung Trier.
In Trier, zumindest in dem Teil vor der Saarmündung, ist nichts zu sehen von einem Stadtanleger. Von der Stadt allerdings auch wenig. Also geht es weiter und ich erreiche Konz. Auch hier nichts zum Anlegen. Das ist jetzt ärgerlich, vermutlich habe ich die Stellen verpasst. Ich schwenke in die Saar ein und erreiche schon bald die erste Schleuse. Weiter, weiter, immer weiter und in Saarburg finde ich einen Anleger direkt vor dem WSA. Ich mache fest und Schluss für heute.

27.09.2019

In Saarburg haben wir Vorräte eingekauft und es geht wieder weiter. Die meisten Schleusen der Saar haben für Sportboote eine kleine Kammer mit ungefähr 50m Länge (40m Schiffslänge). In den Schleusenkammern geht es recht beschaulich zu, also kein Grund zur Besorgnis.
Nach drei Stunden Fahrt finde ich wieder einen langen Anleger mit ordentlich Auslauf für Berti. Hier machen wir fest und bleiben für die Nacht.

28.09.2019

Am späten Vormittag legen wir ab und wollen nach Saarlouis. Es gibt dort einen kleine Anleger der Gemeinde. Leider ist dieser nur 30m lang und von zwei großen Booten belegt. Da ich einkaufen möchte, Wasser brauche und auch mal wieder tanken muss, ist mir auch eine Marina recht. Ich fahre weiter und finde einen Steg mit Wasser in Völklingen. Keine 900m entfernt befindet sich das Weltkulturerbe Völklinger Hütte mit einer Sonderausstellung über Ägypten. 200m weiter gibt es eine Automatentankstelle und am anderen Stromufer befindet sich ein Supermarkt. Also auf ganzer Linie gewonnen. Hier bleiben wir.

29.09.2019

Ich stehe motiviert auf, soll es doch heute in die Ausstellung bzw. das Industriedenkmal Völklinger Hütte gehen. Ich marschiere bei blauem Himmel und reichlich Sonne eine ordentliche Tour mit dem Hund und lasse ihn seinem Ball hinterher jagen. Danach ist er gut ausgepowert und wird wohl die Zeit allein nicht krumm nehmen.
Um 11:00 Uhr stehe ich am Eingang und warte auf Einlass.
Die Ausstellung über Ägypten finde ich nicht so toll, da bin ich wohl von Hildesheim etwas „versaut“. Aber die Stahlhütte ist schon ein ziemlicher Brummer. Bis um 14:00 Uhr klettere ich in dem Bauwerk herum, insgesamt 7 km Strecke laut Plan. Jetzt bin ich auch ordentlich fertig.
Als ich das Geländer verlassen will fängt es an wie aus Kübeln zu schütten. Ohje und ich habe die Plane der Kuchenbude offen gelassen. Eine gute halbe Stunde warte ich, dann geht es eiligen Schrittes im leichten Nieselregen zum Boot. Nicht nur die Plane war offen, auch die Dachluke zur Fly. Jetzt also statt einem Kaffee erst mal aufwischen.
Aber das ist dann auch schnell erledigt und der Mecker vom Hund hält sich in Grenzen 🙂

4 Kommentare

  1. Viel Vergnügen und gute Weiterfahrt, Peter 🙂
    Das Moseltal ist schon sehenswert. Achte mal auf die kleinen Einschienenbahnen im Steilanbau !
    Ich war da um den Vatertag heuer mit dem Moped unterwegs, die Masse an Wohnmobilen war unfassbar!
    Pass auf Deine Propeller auf und genieße Deine Reise.
    Gruß von der Donau – Tommy

    1. Hallo Tommy,

      ja, diese Bahnen habe ich mir angesehen. Erstaunlich, wie das funktioniert ohne das die Lore zu Tal rauscht. Es werden ja echte Steilhänge überbrückt. Ich bin schon gespannt auf die Fortschritte bei deinem Hausboot. Bis bald und
      Dir eine gute Zeit sowie Grüße von der Saar

      Peter

  2. Toller Blog, Peter !
    Habe ihn erst jetzt entdeckt…

    Ja, in Cochem, die mit dem „Schlepperchen“ (T-Technik Tommi) und mit der GFK-Yacht, das waren wir. Was hätte ich drum gegeben, Dich dort persönlich kennen zu lernen und begrüßen zu dürfen….

    Aber es gibt ja meist ein zweites Mal…. Bitte melde Dich im Forum per PN, wenn Du wieder an Bonn vorbei kommst…..

    Dir weiterhin eine tolle Reise…..
    Noch fünf oder sechs Jahre, dann werde ich mich auch ganz aufs Boot verlagern und durch die Wasser-Welt „zigeunern“….. Mein Traum, Du lebst ihn schon….

    Lg, Saint-Ex

    1. Hallo Saint-EX,

      ich bin mir sicher, wir werden uns sehen. Und ja, dass ist ein lebenswerter Traum! Ich ärgere mich, dass ich nicht einfach mal ran gegangen bin an eure Boote und aufs Deck geklopft. Aber hätte ja sein können, dass ihr eine schlechte Fahrt hattet und eure Ruhe wolltet.
      Wir werden uns sehen, ganz bestimmt 🙂

      Gute Zeit bis dahin

      Peter und Berti

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