Juli 2019 2. Teil

Ab hier beginnt meine Reise durch Europa ohne Heimathafen.

19. Juli 2019, lange hat es gedauert, aber heute soll es losgehen. Nun ist es nicht das erste mal, dass ich für längere Zeit losziehe, jedoch heute ist Schlüsselabgabe und das macht den Tag zu etwas besonderem. Ab heute bin ich Zigeuner, ohne Heimathafen.

Am Vorabend haben wir noch in netter Runde beisammen gesessen und bei einem Umtrunk etwas geplaudert. Die Männer (jedenfalls die meisten) natürlich mit dem traditionell vorgebenen Gerstensaft, die Mädels hielten sich am Wein fest. Na ja, vor dem Wein lockerte noch Eierlikör in mit Schokolade überzogener Waffelschale die Stimmung. Nicht irgendwelche verschämten Becherchen, nein echte Schüsseln!

Bilder haben wir lieber nicht gemacht, weil besser ist das. Jedenfalls war es lustig, wie Frank zu sagen pflegt „Bomben Stimmung“ und ich holte mir noch reichlich gute Wünsche für die Fahrt und einen Knuddel von Peggy ab.

Hier geht es öfter mal hoch her. Auch mit Lagerfeuer, grillen und manchmal gar mit Musik. Dann wird getanzt!

Leinen los war so gegen 11:00 Uhr geplant. Wie es aber mit Plänen nun mal so ist, die sind das Papier nicht wert, auf denen sie aufgezeichnet werden. Es geht schon mit dem Aufstehen los. Gedacht war sieben Uhr, aber dann war es eben acht Uhr. Pfft, Frühstück ist überbewertet. Mit dem Hund ums Eck und dann auf zur Post. Überraschend lag dort noch ein Paket für mich und ich konnte meinen Brief loswerden. Das Paket erzwingt erst mal wieder den Rückweg, also Einkaufen folgt später.

Nächster Anlauf und auf dem Weg kann ich ja gleich ein Kennzeichen für mein Klappmokick mitbringen. Beim Versicherungsbüro eingekehrt, ein bisschen plaudern und .. die EDV spinnt. Klar, statt 10 Minuten werden es gute 40 Minuten. OK, Plan C.

Noch ohne Nummernschild. Das quietschgelbe Klappradl rechts ist ebenfalls an Bord der Caribbean.

Aber dann! Mit Nummernschild zurück, fix angeschraubt und nach einigen Startversuchen (man sollte mal den Bezinhahn aufdrehen) spring das Luder auch gleich an. Mit zünftigem 2-Taktersound (Römtömtömtöm) geht’s zum Kaufmann und ich rette noch ein wenig Nahrung für das Wochenende.
Der Rest ist schnell erzählt weil farblos: bisschen verstauen, mit etwas Hilfe Leinen los und rum ums Eck um das Knattergerät an Bord zu holen.
Der Ableger war etwas tricky, weil gut auflandiger Wind. Ich stolz: keine Sorge, ich dampfe in den Ball und dann geht’s rückwärts raus. Jo, wenn den der Mors auch rum will. Erst geht’s wie gedacht und alle Daumen sind oben, aber das Freischwimmen will nicht gelingen. Die Strecke war zu kurz. Zweiter Versuch und .. geht doch. Stolz wie Bolle und mit viel Gewinke bin ich dann weg. Ich glaube die dachten schon, sie werden mich niemals los.

Schleuse Wusterwitz heute mal ohne Probleme. Im Gegenteil war die Schleusenwärterin(?) so fix, dass ich nicht mal die Maschinen ausmachen konnte. Ich steh noch an der Mittelklampe, da rauscht auch schon das Wasser rein. Was soll’s, geht ja auch so.

Nun bin ich also in Genthin, hab mir ein Bier gegönnt (ne zwei) und dabei euch mit Info’s gefüttert. Ich hoffe es wird gelesen, über Kommentare freue ich mich natürlich!

Kaffe gekocht, Hörnchen aufgebacken .. und wer fährt?
TollerPlatz am Wasser
Freitag Nachmittag und nix los, herrlich.

20.07.2019: 2. Tag

Am Morgen habe ich einen netten Plausch mit einer jungen Familie, welche mit ihren drei Kindern auf einem dänischen Gleiter unterwegs sind in Richtung Brandenburg a. d. Havel. Klar, dass ich den WBF empfehle 🙂 .

Gegen 10:00 Uhr dann Leinen los und entspannt weiter Richtung Burg. Auf der Strecke wartet die Schleuse Parey auf die Caribbean. Aber die lassen wir warten und machen kurz vorher an der Spundwand fest. Mittagszeit: Ein Nickerchen, 2x Gassi gehen und unterwegs noch eine Schöne aufgesammelt und zum Mitfahren überredet.

Einige Brombeeren und Mirabellen fanden auch noch ihren Weg in meine interne Verwertungsanlage. Gegen 14:30 Uhr erreichen wir die Schleuse Parey und müssen nur ca. 15 Minuten warten. Dummerweise ist der Startplatz für Sportboote noch vor der Brücke und die Signalanlage nur von der Fly aus einsehbar. Die Lautsprecheranlage quäckt irgendwo 200m vor uns herum, aber es konnten ja nur wir gemeint sein. Trotz stark auflandigem Wind dreht die Caribbean (mit etwas Zureden) brav das Heck raus und wir eilten in die Schleuse. Ein zügiger Schleusendurchgang, alles flutschte wie gelernt 🙂

Gegen 18:00 Uhr ist Endstation in Burg, wieder an einem öffentlichen Anleger. Nicht die schönste Ecke, aber es wird ja bald dunkel. Wie gewohnt gibt’s noch was aufs Auge, ansonsten bis morgen.

Hütte im Wald
Schöne, der Natur überlassene Wasserläufe
Wenig Trubel trotz Hochsaison (Es ist Samstag)
Naturbelassene Altarme

Am Abend lerne ich die Besatzung der Irbit kennen. Skipper und Frau habe diesen kleinen Schlepper ca. 15m) vor dem Abwracken bewahrt und in mehrjähriger Arbeit wieder fahrbereit und bewohnbar gemacht.

21.07.2019

Am Morgen verabrede ich mich zum Frühstück auf der Irbit. Es wird geplaudert bis zum Mittag und mein Plan, im Nigripper See zu ankern, wird verschoben. Statt dessen gehe ich eine grosse Runde mit dem Hund und fahre anschliessend mit dem Fahrrad etwas durch die City.
Danach ist chillen angesagt und gegen Abend treffen wir uns wieder auf der Irbit zum Absacker. Am Liegeplatz ist es voll geworden, jeder Platz ist belegt.

22.07.2019

Heute war ich im Nigripper See. Im Standgas auf der Fly durch den Kanal ist eine besondere Erfahrung! Motor, Getriebe und sonstige Geräusche sind kaum vorhanden, das Boot erzeugt nahezu keinerlei Wellen und spurt sauber geradeaus. Einfach Klasse!

Im Verein TUS Empor wurde ich erst bemerkt, als sich die Caribbean an den Mitgliedern vorbei schob und dabei den Lichteinfall veränderte 🙂
Den Tiefenmesser musste ich ausstellen. Alle paar Meter war Alarm, weil das Seegras die Anzeige auf 50cm drückte. Tatsächlich kann man von gut 1,50m ausgehen.

23.07.2019

Der Vortag war einfach nur ruhig und ich habe mich um Website und Boot gekümmert. Heute soll es wieder in den Nigripper See gehen. Gegen 12:30 lege ich ab, Wetter passt wunderbar mit Sonne und wenig Wind. Wie vorher fahre ich in den alten Kanal und geniesse das ruhige Fahren mit Standgas von der Fly aus.
Im Nigripper See sehe ich die Irbit und halte darauf zu um längseits fest zu machen. Jörg zeigt an, dass ich auf der Backbordseite andocken soll und ich fahre achterlich um die Irbit herum. Allerdings wird der Kreis viel grösser als geplant was mich doch stark verwunderte. Aber ich war mit den Fendern beschäftigt und dachte mir nichts dabei.
Dann beide Maschinen gegenläufig eingekuppelt, jetzt sollte sich die Caribbean auf der Stelle drehen. Wird aber nichts, der Bug kommt nicht rum. Dafür seltsame Geräusche aus dem Keller. Ich nehme die Steuerbordmaschine raus und teste nur die Backbordmaschine mit Standgas voraus: nur Schleifgeräusche aber kein Vortrieb!

Das Andockmanöver musste also mit einer Maschine und unter Ausnutzung des leichen Windes geschehen, aufstoppen und ranziehen hätte das Heck gegen die Irbit geknallt. Irgendwann war ich fest und ich konnte im Keller nach der Ursache forschen. Großes Kino!!

Ein Bolzen abgeschert und der ganze Phytondrive lag daneben. Damit war nichts mehr zu gewinnen. Jetzt war guter Rat teuer!

Jörg warf sich in seinen Arbeitsanzug und tauchte im Keller ab. Von den sechs Bolzen waren noch vier zu gebrauchen, einer war gebrochen und das Gewinde steckte in der Bohrung, einer war krumm und ein Teil des Gewindes fehlt.
Ich kontrolliere alle Bohrungen, bis auf eine waren alle gleich tief. Also sollte eine Montage mit vier Bolzen möglich sein. Zwischenzeitlich beratschlagen wir, wo eine Reparatur möglich wäre. Jörg ruft einen Bekannten an und nach eingem Hin und Her versuche ich per Telefon bei der Werft SET in Genthin mein Glück. Ja, wenn ich bis zur Werft komme wird man mir helfen. Und mit vier Bolzen sollte das problemlos klappen.

Jörg baut das Phytondrive mit den restlichen vier Bolzen wieder an und wir trinken erst mal Kaffee. Gitta bringt sogar noch kleine Törtchen auf den Tisch, einfach Klasse! Ich bin wieder halbwegs runter und mache mich auf den Weg. Mittlerweile ist es knapp nach 17:00 Uhr und eine Schleuse wartet auch noch. Die Fahrt verläuft problemlos und ich komme kurz vor Mitternacht in Genthin an. Die letzten Kilometer hatte ich meinen Bugscheinwerfer an und habe damit das Ufer an Steuerbord angestrahlt. Nicht das ich noch irgendwo aufs Ufer brumme.

24.07.2019

Gegen 09:00 Uhr mache ich die Caribbean bei der Werft fest. Dazu habe ich mir die hinterste Ecke ausgesucht und muß jetzt durch eine Weide an Land krauchen. Neben mir eine Arbeitsplattform auf der das Deck mittels Druckluftnagler entrostet wird. Sehr kuschelig 🙂

DIe Mannschaft ist zum Frühstück und ich werde um Geduld gebeten. Ich warte auf der Caribbean und dann tauchen der Betriebsleiter und der Meister auf zur Schadensbegutachtung. Kurzer Blick auf die Ausgleichswelle und auf eines meiner Fotos, dann ist klar dass die Werft das reparieren kann. Morgen sollt die Caribbean zur Kontrolle aus dem Wassser um eventuelle Einwirkungen von aussen und somit weitere Schäden erkennen zu können. Somit verlege ich mich wieder an den freien Anleger um den nächsten Tag abzuwarten.

25.07.2019

Pünktlich um 09:25 Uhr lege ich vor dem Kran in der Werft an. Alles ist vorbereitet, allerdings muß noch eine Motorjacht verschoben werden. Dann hängt die Caribbean in den Seilen und zeigt uns das Unterwasserschiff. Auf den ersten Blick: alles in bestem Zustand!(?)
Der Meister will das selbst kontrollieren und taucht recht schnell auf. Wellenspiel auf beiden Seiten wird kontrollert und die Propeller. Auf der Backbordseite ist eine Anode abgerissen, aber als Ursache kommt das nicht in Frage. Hier gibt es also nichts weiter zu tun und die Caribbean kann wieder in ihr Element. Ich verlege an den Liegeplatz vom Vortag und bereite die Backbordseite vor: Das Mokick wird weggeräumt und die Treppe von Steuerbord nach Backbord gesetzt. Dann mache ich Platz im Motorraum, die Reparatur kann beginnen.

Der Mechaniker entscheidet, dass der Teil Richtung Maschine ausgebaut werden soll. Der ist nur mit vier Schrauben befestigt und somit leicht zu demontieren. In der Werkstatt kann dann so der abgerissene Bolzen rausgedreht werden. Gesagt getan und 30 Minuten später marschiert die Mannschaft mit dem Teil zur Werkstatt.
Dann tauchen die Mitarbeiter wieder auf und haben auch neue Bolzen mitgebracht. Diese hätten eine besondere Güte wird mir erklärt, man kann nicht irgendwelche nehmen. Auch die Ursache scheint gefunden, die vier Bolzen der Montageplatte waren minimal zu lang und verhinderten, das die Ausgleichswelle plan montiert werden konnte. Dadurch kam es zu geringfügigem Spiel, welches über die Jahre das Versagen der Ausgleichswelle zur Folge hatte.
Das Phytondrive wird gefettet, montiert und die Bolzen dabei verklebt. Damit sollte alles wieder in Ordnung sein. Schnell noch ein Blick auf die Steuerbordseite, dort ist kein Spiel zu entdecken, alle Bolzen sind fest.
Die Mechaniker haben dann Hitzefrei 🙂 , ich war die letzte Tat an diesem Tag. Auch die Rechnung sollte ich erst morgen bekommen. Die Verwaltung war bereits geschlossen.

25.07.2019

Heute soll ich die Rechnung bekommen. Mit ungutem Gefühl mache ich mich auf den Weg und bin dann doch überrascht. Der grösste Posten war das Kranen (klar, Kran positionieren, Boote verlegen, Geschirr anbringen etc., das kostet Zeit). Insgesamt eine sehr angemessene Kostenrechnung!
Damit erhält diese Werft von mir eine ganz klare Empfehlung.
Mein Eindruck von der guten Arbeit und der Preiswürdigkeit wird durch ein Gespräch mit einem Käptn des WSA bestätigt. Seit Jahren schon gute Leistung bei angemessenen Preisen. Das ist selten!

Für alle die in der Nähe sind und eine gute Werft suchen hier die Kontaktdaten:
SET Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft mbH
Werft Genthin
Bergzower Str. 32
39307 Genthin

27.07.2019

Am Samstag laufe ich mit Hund zum örtlichen Baumarkt um mir endlich eine klappbare Sackkarre zu besorgen. Die benötige ich hauptsächlich um Diesel zu besorgen, aber auch für Gas oder schwere Einkäufe ist das eine gute Lösung. Früher hatte ich eine recht günstige Version, aber die machte Schwierigkeiten, wenn etwas Gewicht auf die Gleitlager kam.
Ich erstehe also eine Sackkarre für fast 90,– € und bin gespannt, wie die sich macht. Tatsächlich ist die ihr Geld wert und kommt in die Liste der empfehlenswerten Dinge.

29. & 30.07.2019

Es wird getankt. Die Wege sind einigermassen gut ausgebaut und nur über die Strasse muß ich mit dem Gewicht über den Randstein. Es werden insgesamt 240l in den beiden Tagen sowie ein Einkauf mit Wasserflaschen. Alles klappt wunderbar und ohne übermässige Anstrengung. Für die Fahrt findet meine Sackkarre ihren Platz hinter der Leiter zur Fly und ist damit aus dem Weg.

100kg mögliche Zuladung, da ist noch Luft nach oben.
Gut verstaut ist wichtig auf meinem kleinen Boot.

31.07.2019

Letzter Tag in Genthin, dann kann ich endlich weiter. Alles ist geregelt, Medikamente sind unterwegs, Wasser und Diesel aufgetankt und Vorräte aufgefüllt. Wer wie ich die Kosten einer Marina scheut, kann im Yachthafen Genthin günstig die Engpässe beseitigen: Tanke in 150m Entfernung, Waschmaschine bis 60°C 1,–€, Trockner 1,–€, Wasser je 100l 0,50€, Duschen 1,– €. Auch für Kurzlieger, dann Liegegebühr 3,–€ pauschal. Solche Angebote wünsche ich mir häufiger!
Meine Brille habe ich im Ort reparieren lassen und bei der Gelegenheit hat mir der engagierte Verkäufer gleich noch eine Lesebrille und eine Sonnenbrille verpasst. Wie konnte das denn wieder passieren?

5 Kommentare

  1. Hast ja doch was gelernt in 2018. In der Ruhe liegt die Kraft. Oder wie wir hier sagen: Kumm i heit net, Kumm i morgen.
    Weiterhin viel Spaß und Gute Fahrt

  2. Hallo ihr beiden,
    der Anleger ist wirklich gut! Kurze Wege und man kann gut liegen. Und wegen gelernt, es wird. Nun ist es schon 0900 und ich sitze beim Frühstück 😉

  3. Hallo Peter,
    ich bin gespannt, wie Deine Reise weitergeht 🙂
    Plaue war ja der Heimathafen meines Mietbunbos.
    Deine Fotos wecken schöne Erinnerungen an den September 2018.
    Liebe Grüße – Tom

    1. Hallo Tom,
      die Havelseen sind ein Revier, welches kaum zu toppen ist. Ich habe dieses Revier nur ungern verlassen und werde sicherlich wieder hierher zurück kommen.
      Viel Erfolg bei deinem Bau und vielleicht sehen wir uns auf der Donau.

      Gruß

      Peter

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