Leben auf dem Boot

Meine Gedanken zum Thema, Tips und Ideen. Alles ohne Gewähr.

Warum

Frei nach Heinz Rühmann: ein Leben ohne Boot ist möglich .. aber sinnlos. Schon von Kindheit an war ich fasziniert vom Wasser. Eine Schüssel voll im Garten, später mit Schaufel und Eimer am Strand und noch mal später mit meinem geliebten Gummiboot „Betty“, einem quietschgelben Badeboot auf dem Mittelmeer. Selbst die umliegenden Flüsse und Bäche wie Schunter, Mittelriede und Wabe wurden ausgiebig genutzt. Das ließ erst nach, als ich mich mit dem Berufsleben herumplagte und meinen Lebensmittelpunkt im Harz fand. Ganz losgelassen hat mich die Sehnsucht nach dem Wasser jedoch nie.

Jetzt, als Witwer, lebe ich meinen Traum von Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit auf dem Wasser, einem der letzten Rückzugsorte in Deutschland. Diese Ruhe, die Faszination des Wassers und das Leben in und mit der Natur sind kaum zu überbieten. Das ist zwar nur meine Sichtweise, manch einer wird es jedoch nachvollziehen können.

Szenen aus dem Bordleben

Boot vs. Wohnmobil

Eine ganz wesentliche Eigenschaft beider Versionen ist die Mobilität. Diese als Notwendigkeit vorausgesetzt reduziert die Möglichkeiten im Wesentlichen auf Rucksack, Fahrrad, Pferd, Boot oder Wohnmobil. In meinem Alter (und bei meiner gesundheitlicher Vorgeschichte) habe ich minimale Ansprüche an das Wohnen und den Komfort. Daher scheiden Rucksack und Fahrrad schon einmal aus. Mit Pferden kann ich nicht umgehen, daher ist dieser Weg nur mit viel Aufwand zu beschreiten. Außerdem kostet ein Pferd (Esel, Maultier) immer Unterhalt, egal ob ich mich bewege oder mal eine Woche lang vor Ort bleibe.

Für mich ist die Nähe zum Wasser ausschlaggebend. Daher betrachte ich die beiden Varianten immer unter Einbeziehung der Nähe zum Wasser. Wer lieber auf dem Land unterwegs ist oder in den Bergen kommt sicherlich zu ganz anderen Ergebnissen.

Bauvorschriften:
Boote unterliegen nicht den gleichen Beschränkungen hinsichtlich der Abmessungen und Gewichte wie Wohnmobile. Bei privater Nutzung gibt es keinen TÜV und die baulichen Ausführungen unter-liegen nur wenigen Vorschriften. Wohnmobile hingegen werden deutlich intensiver überwacht und stellen auch hinsichtlich der Führerscheine je nach Ausstellungsdatum der Fahrerlaubnis, höhere Ansprüche an den Fahrer (bei entsprechendem Gewicht).

Breite:
Wie jedem Wohnmobilisten und Bootsfahrer bekannt ist, wächst die Wohnfläche und der Komfort mit der nutzbaren Breite. Auf der Straße ist die Breite ohne Sondergenehmigungen auf 2,50m beschränkt. Boote können hingegen durchaus auch 4m-5m breit sein. Entsprechend großzügig fallen die Grundrisse von Booten im Vergleich zu Wohnmobilen aus. Diese Unterschiede werden allerdings durch Auszüge bei Wohnmobilen wieder gemildert.

Höhe:
Bei der Höhe sind beide eingeschränkt, vorausgesetzt, dass Boot soll auch im Landesinneren (Binnen) bewegt werden. Nimmt man die Kanäle Frankreichs als Maßstab, so sollten 3,30m über dem Wasser nicht überschritten werden. Möchte man auch Friesland befahren, so sind Brückenhöhen von unter 3m zu beachten.

Länge:
Bei Wohnmobilen ist eine Länge von unter 12m einzuhalten. Sportboote, welche auch auf dem Rhein (und anderen Gewässer mit Sonderbestimmungen) bewegt werden, sind bis 15m Länge erlaubt, mit entsprechender Erweiterung des Patents bzw. außerhalb der Sonderbestimmungen bis 20m. Das ist schon ein fürstliches Maß und kombiniert mit einer praktikablen Breite von weniger als 5m sind damit durchaus Wohnflächen wie an Land zu erhalten.

Kraftstoff:
Hier beziehe ich mich auf den Vergleich Sportboot unter Motor und Wohnmobil. Segelboote lasse ich mal außen vor.
Ein Wohnmobil als Diesel verbraucht je nach Gewicht und Fahrweise zwischen 10l und 15l je 100km. Das ist für ein Sportboot als Hausboot nicht zu erreichen. Mit einer Maschine wird man ca. 4l-5l je Stunde bei ca. 10km/h verbrauchen, mit zwei Maschinen eher 6l-8l je Stunde bei 10km/h. Die typischen Geschwindigkeiten liegen für Sportbooten auf Flüssen und Kanälen um 10km/h – 12km/h, bei seenartigen Erweiterungen und entsprechendem Boot auch mal bei 25km/h oder gar darüber (Gleiter). Also ganz klar ein Vorteil für Wohnmobile. Bootsfahren entschleunigt und der Weg wird zum Ziel. Die Strecke wird gelebt und nicht gefahren.



Nutzbarkeit:
Wohnmobile (und noch mehr Gespanne) sind als Wohngelegenheit und als Fortbewegungsmittel tauglich. Wohnmobile im Innenstadtbereich eingeschränkt, Gespanne müssen sich halt um einen Stellplatz kümmern. Sportboote sind auf die deutlich weniger vorhandenen Wasserwege des Bundes und der Länder angewiesen sowie auf Liegeplätze in öffentlichen Bereichen oder, gegen Entgelt, in entsprechenden Anlagen (Marinas). Liegeplätze, auch in der Innenstadt, sind durchaus üblich und verfügbar. Bewährt hat sich für beide das Klapprad oder auch ein Faltmoped. Ganz große Kaliber führen gar noch einen Kleinstwagen mit.
Will man möglichst dicht ans Wasser, so ist dem Wohnmobilfahrer oftmals der Weg versperrt. Entweder passen die Untergründe nicht (zm. Bsp. Wiese) oder die Stellplätze sind zu klein oder die Zufahrten zu eng. „Wildes“ Campen wird immer seltener toleriert. Dafür sind auch entlegene Ziele schneller erreichbar. Lebt man mobil, so ist allerdings der Zeitfaktor unwichtig geworden.

Mit dem Boot hat man andere Probleme. Je nach Ausrüstung benötigt man Strom, Wasser und Waschmaschinen an Land. Ist man mit Hund unterwegs, so ist eine Landverbindung notwendig oder ein Beiboot. Dafür hat man den Vorteil, dass man sich oftmals den Liegeplatz aussuchen kann und in den schönsten Umgebungen festmacht. Sei es mit Landverbindung oder unter Anker. Wer sich erst einmal auf das Ankern eingelassen hat wird mit den schönsten Flecken belohnt. Richtig toll ist das Ankern in der Nähe von Bäumen in einer kleinen Bucht, wenn die Sonne es wieder einmal so richtig gut meint. Der Bewegungsdrang wird mit dem Airkajak befriedigt, die Hitze mit schwimmen entschärft und die Küche mit selbst geangeltem Fisch bereichert. So läßt es sich aushalten 🙂

Meine Entscheidung war klar: mobil, direkt am Wasser, hoher Wohnwert, möglichst autark: Wohnboot. Wer den Faktor Wassernähe weniger stark gewichtet kommt eventuell zu anderen Ergebnissen.

Liegeplatz in Stettin im Sommer 2018

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