Miteinander sprechen


Seit ich allein lebe verändere ich mich stetig. Das erlernte Leben wie man es in Europa kennt wird mir immer fremder, dafür wird das Miteinander selbst bei flüchtigen Bekanntschaften immer wichtiger. Mittlerweile verhalte ich mich so, dass mein Gegenüber das Gefühl haben soll, dass die Zeit, die er bzw. sie in mich investiert hat, lohnenswert war. Zuhören ist dabei einer der wichtigsten Punkte. Scheinbar hört kaum noch jemand wirklich zu und ist vielmehr bestrebt, in kurzer Zeit alles in ein Gespräch zu packen, was im Kopf gerade anliegt. Wenn ich es schaffe, dass mein Gegenüber mit einem kleinen Lächeln, und seit es nur ganz flüchtig, weitergeht, dann bin ich auch glücklich.

Leider muss ich mich auch öfter disziplinieren, gerade heute wurde mir angedeutet, dass sie versucht, mir etwas mitzuteilen. Oje, da ist mal wieder mein Drang zum Schwafeln mit mir durchgegangen.

Interessanterweise habe ich heute auch ein Zitat erhalten, welches von einem Menschen stammt, der noch mehr konnte als weise Sprüche absondern. Ich rede von Marshall B. Rosenstein und seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation“. Allein der Titel ist schon sehr interessant, ich habe mir dieses Buch gleich gekauft.

Hiervon angeregt, habe ich mich ein wenig zum Thema informiert und stelle fest, dass ich tatsächlich auf ähnliche Weise ticke. Wichtig ist die Grundlage, dass man sich frei und ohne Zwänge begegnet. Wie Rosenstein schreibt, ist man dann gern bereit und bestrebt, dem oder der Anderen zu helfen bzw. einen Gefallen zu tun.

Die Bitte zu diesem Gefallen ist oftmals in dem Gespräch enthalten, hinhören ist dabei natürlich sehr wichtig, aber auch hinsehen. Nicht nur das sehen, was der bzw. die Andere mir vorspielt, sondern auch das, was Gestik, Mimik, Körperhaltung ausdrücken. Ein kurzes Wegschauen bei der Antwort auf die einfache Frage „wie geht es dir?“ zeigt unabhängig von der Antwort, dass mein Gegenüber ein Problem hat. Möglich, dass ich eine relativ ehrliche Antwort erhalte, aber meistens ist mein Gegenüber jetzt schon auf der Flucht. Es ist halt nicht üblich in unserer Gesellschaft, andere so nah heran zu lassen. Und schon gar nicht ist es üblich, eine Schwäche zuzugeben.

*1„Lächle, und die Welt lächelt zurück“

Was also treibt mich an? Wir Menschen sind nicht so strukturiert, dass wir im Alleinsein unsere Erfüllung finden. In der Gruppe und natürlich in der Zweisamkeit finden wir unsere Erfüllung. Ist es noch relativ normal, in einer Zweisamkeit Bedürfnisse mitzuteilen, so ist es in unserer modernen und erfolgsorientierten Zeit des Emporstrampelns weder üblich noch genehm, ein tieferes Miteinander zu leben. Meistens gehen ja die täglichen Aktionen direkt oder indirekt zu Lasten anderer.

*2„Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus“

Durch meine Art zu leben habe ich es erreicht, von diesen Zwängen losgelöst zu agieren und möchte mich wieder dem widmen, was mich eigentlich schon als Kind ausmachte: das Gruppentier pflegen mit dem Bedürfnis, Anderen zu begegnen und bei Bedarf zu helfen. Im Gegenzug kann ich manchmal erwarten, dass auch mir geholfen wird bei der Bewältigung meiner täglichen kleinen Sorgen und Bedürfnisse. Ganz ohne Zwang auf eine völlig natürliche Weise.

*3„ Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!”

*1 chinesische Weisheit
*2 Herkunft unbekannt
*3 Schiller


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