Oktober 2019

Nach Frankreich

01.10.2019 – 10.10.2019

Zur Zeit gibt es nicht wirklich etwas zu berichten. Da ich auf wichtige Papiere und einige Einkäufe warte hänge ich kurz vor Frankreich fest. Es regnet in einer Tour und ich schaffe es gerade in den Lücken mit dem Hund spazieren zu gehen.
Spätestens am 12. diesen Monats will ich durch die Schleuse Güdingen, da diese ab dem 14.10.2019 für eine Weile gesperrt ist.

12.10.2019

Drachenbootfest in Saarbrücken. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen und werde also diesen Tag noch hier verbringen. Am Ufer ist reichlich los, wird doch auf der gegenüber liegenden Seite ein Flohmarkt abgehalten.
Ich habe die Gelegenheit genutzt und erste Aufnahmen mit der Videocamera gemacht. Klar, dass nicht alles so geklappt hat wie gewollt, aber insgesamt sind doch schöne Szenen dabei entstanden. Leider ist der Lärm der Autobahn ziemlich nervend.

13.10.2109

Am Sonntag legte ich wieder ab und wir fuhren nach Güdingen. Die Schleuse Güdingen ist die letzte Schleuse unter deutscher Verwaltung, danach folgen schon die ersten französischen. Der Schleusenwärter in Güdingen erklärte mir dann, dass auch die Schleuse 29 (also die zweite Schleuse nach Güdingen) ab morgen gesperrt ist für den Rest des Jahres. Also geht es heute auf jeden Fall weiter bis Saargemünd. Dann erhalte ich noch ein Merkblatt über das weitere Vorgehen beim Schleusen im Saarkanal.
Die Schleusung selbst war ohne Aufregungen und das Wetter hält sich leicht bedeckt.

In der Schleuse 30 empfängt mich ebenfalls ein Schleusenwärter und am Ende der Schleusung kann ich die Fernbedienung in Empfang nehmen. Von jetzt an soll es automatisch gehen.

Kleine Anleitung:
Wenn man es einmal gemacht hat ist das Schleusen einfach:
– Vor der Schleuse steht eine Lichtschranke, welche mit der Fernbedienung aktiviert wird. Als Bestätigung blinkt diese orange.
– Die Schleusenampel zeigt normalerweise rot und das Tor ist geschlossen. Die Vorbereitung wird mit
Rot/Grün angezeigt
– Nachdem das Tor geöffnet ist wechselt die Ampel auf grün und ich kann einfahren. Nach dem
Festmachen wird der Schleusenvorgang durch Anheben der blauen Stange gestartet. Ein Signal ertönt und das Tor schließt sich.


Schleuse 29 zeigt sich etwas garstig. Nach mir will noch ein kleineres Motorboot mitschleusen und ich fahre bis nach vorn vor. Hier ist jedoch außer einer Leiter nicht zum festmachen. Wird schon gehen denke ich mir, halte neben der Leiter und klettere raus um zu belegen. Der Hintermann ist schon die Leiter hoch und blickt mich fragend an. Ich nicke etwas vorschnell, schnappe mir den Festmacher (während das Signal ertönt) und will an der Leiter belegen. Die ist jedoch in der unteren Hälfte abgerissen so dass ich sehr weit oben belegen muss. Das ist ein ganz blöder Winkel wie ich beim Einschießen des Wassers bemerke und ich muss mich mit den Schienenbeinen an der Reling abdrücken um das Boot zu halten. Die sieben Tonnen machen sich ziemlich bemerkbar, dass gibt blaue Flecke.

Für Einhandfahrer:
Überhaupt gibt es für Einhandfahrer kleine Fallstricke. Mit einem Boot wie der Caribbean muss man an einem Metallzapfen in der Schleusenwand belegen. Der zweite Poller ist irgendwo oben und meistens nicht zu sehen. Den muss ich aber auch belegen mit einem zweiten Festmacher.
Also entweder die Leiter rauf, Tampen rum und wieder runter oder (wenn man so faul ist wie ich) blind werfen und irgendwann hält’s. Dann geht der Fahrstuhl rauf und im letzten Drittel rutscht der erste Tampen vom Zapfen. Wer jetzt den zweiten Festmacher nicht dicht geholt hat wird schnell abgetrieben und knallt gegenüber gegen die Wand. Ist mir zum Glück nicht passiert. Unschön ist es trotzdem, weil der Winkel zu steil ist und dadurch viel Luft im Festmacher. Das Boot pendelt viel hin und her oder treibt vor und zurück. Ich lege die Reling dazwischen, dadurch ist der Winkel etwas günstiger.


Am frühen Nachmittag erreiche ich dann Saareguemines und mache am Gaststeg fest.

14.10.2019

Der Tag beginnt mit einem ausgedehnten Spaziergang. Dann wird das Schiff ein wenig auf Vordermann gebracht und Wäsche gewaschen. Das bietet sich an, weil zum einen das Wasser in der Liegegebühr enthalten ist und zum anderen scheint die Sonne. Nachdem ich dann den Wasservorrat wieder aufgefüllt habe werfe ich die Leinen los. Nach einer kurzen Etappe von ca. 500m mache ich schon wieder fest. Von diesem Anleger aus sind eine Tankstelle und der Supermark (Intermarché) nach einem kurzen Fußmarsch zu erreichen.
Die Preise sind im Vergleich mit Deutschland ziemlich hoch angesiedelt. Allerdings ist die Qualität bei vielen Produkten um Längen besser. Das betrifft das Fleisch ebenso wie das Gemüse. Diesel ist ca. 15Cent teurer als in Deutschland, ich brauche aber noch nichts.
Dann lege ich wieder ab und es geht zur nächsten Schleuse. Unterwegs mache ich einige schöne Bilder und nach einem tollen Tag lege ich in Wittringen an. Ein kostenfreier Anleger direkt vor der Schleuse für maximal 48 Stunden.

Wie auf den Bildern zu sehen ist die Landschaft im Herbst einfach unglaublich schön!

15.10.2019

Es geht früh los heute und ich bin bester Stimmung. Wie gewohnt erwartet mich sofort die nächste Schleuse. Vor Abfahrt habe ich mir noch angesehen, wie ich bessere Tierbilder bekomme. In Bewegung waren die immer unscharf, weil die Automatik einfach zu langsam ist und die Verschlusszeiten zu lang gewählt werden. Und wie bestellt begleitet mich ein Fischreiher für den ersten Versuch. Noch nicht ideal, da der Himmel bewölkt war und das Foto während der Fahrt gemacht wurde, aber es wird 🙂 .

Der Rest des Tages geht in Regen unter und ich lege mich gegen 17:00 Uhr vor einer Schleuse im nirgendwo für die Nacht fest. Dann wird eine leckere Gemüsesuppe gekocht und etwas gechattet.

16.10.2019

Der Tag beginnt, wie er gestern geendet hat: mit Regen. Als es etwas nachlässt gehen wir spazieren und kommen nass und fröstelnd zurück. Hund abrubbeln, Klamottenwechseln und es kann los gehen.
Die Schleuse, vor der ich übernachtete, war die Nr. 16 des Saarkanals. Insider wissen, was jetzt kommt. Alle folgenden Schleusen liegen zwischen 200m und 500m von einander entfernt! Die nächste Schleuse kann man schon über das bergseitige Schleusentor sehen. Keine Pausen, kein Festmachen, immer weiter bis zur Schleuse 2. Danach finde ich einen Anleger an Steuerbord, den ich sofort nutze. Es ist ein Naturpark und wir schlendern am Ufer entlang. Der Wald ist wirklich toll, aber das Wetter treibt uns wieder rein.
Ich bin ordentlich geschafft und ein leichter Muskelkater kündigt sich an.

17.10.2019

Der nächste Morgen wollte mich mit Regen überraschen, hat nicht geklappt (ich war nicht überrascht).
Ich fahre in einem Kanal und links und rechts von mir ist eine Seenlandschaft. Hört sich seltsam an, jedoch liegt das Niveau des Kanals gute 10m höher als die Seen. Erst mit der Schleuse 1 passt sich das dann an. Dort kann ich auch die Fernbedienung wieder abgeben und bin damit fast aus dem Saarkanal raus.
Nach wenigen Kilometern dann kommt der Canal de la Marne au Rhin. Dieser führt in Richtung Westen nach Nancy (und endet in Vitry-le-François), nach Osten geht es nach Strasbourgh und dann in den Rhein. Für die mit der Steinzeitnavigation werden die Richtungen angezeigt.

Heute erwarten mich noch zwei wirkliche Highlights:
– die Tunnel bei Niderviller und Arzviller
– und das Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller

Vorher machen wir noch in einem kleinen Dorf fest für etwas Mittagbrot und spazieren gehen. Dafür musste ich mich in eine Lücke quetschen zwischen zwei Charterboote. Ich wurde zwar beobachtet, aber die Leinen annehmen wollte keiner 🙂 Macht nichts, hat auch so geklappt.

Wenn man vorher über die Tunnel gelesen hat, dann hat man schon ein wenig Respekt beim Einfahren. Ging aber alles glatt und mein Scheinwerferchen hat wunderbar die Kante beleuchtet. Beim Hebewerk stand deutlich, Vergnügungsschiffe sollen die Papiere bereit halten. Ich grabe also und schon ist grün. Rein in den Bottich und ab(wärts) geht’s. Klasse Vorstellung, noch besser als das Schiffshebewerk Niederfinow, weil hier fährt man seitwärts runter.

In Lutzelbourgh mache ich dann Schluss für heute und lege mich das erste mal mittels Erdanker fest.

18.10.2019

Heute möchte ich in Saverne festmachen, einer Stadt mit einigen Sehenswürdigkeiten sowie Einkaufsmöglichkeiten. Es ist nicht weit bis dorthin, ein Glück, denn mir hat die Hexe in’s Kreuz geschossen. Die Schleuserei macht sich doch bemerkbar.
Pünktlich in der ersten Schleuse fängt es an zu regnen. Ein ordentlicher Dauerregen und ich denke mir noch, hätte schlimmer kommen können. Und was soll ich sagen, es kam schlimmer. Innerhalb einer Minute war ich pitschnass bis auf die Unterwäsche. Schuhe und Hose musste ich wechseln, die Jacke hätte ich nur gegen eine Winterjacke tauschen können, also blieb mir das nasse Ding erhalten für den Rest der Fahrt.
In der Schleuse Saverne hört es wieder auf mit Regen und zaghaft hellt sich der Himmel auf. Klar, ich will ja auch festmachen. Aber ich will mal nicht meckern.
Am Nachmittag schlendere ich durch die Stadt und schaue mir die Sehenswürdigkeiten an. Schöne Bauwerke dicht an dicht. Abends werde ich von einer Party am Schloss unterhalten und dann krieche ich müde in die Federn.

21.10.2019

Nach zwei Tagen in Saverne habe ich früh die Leinen los geworfen, hatte sich doch ein 40m Ausflugsschiff angemeldet und benötigte meinen Platz.
Also um 08:30 Uhr Leinen los und erst mal aus dem Hafen raus. Gleich um die Ecke habe ich wieder angelegt und erst mal gefrühstückt und die zweite Runde mit Hund erledigt.
Nach einer Fahrt mit Tücken liege ich jetzt in Souflenweyersheim, kurz vor Strasbourgh.

Was war passiert? In Schleuse 35 erwischte mich der Technikteufel. Erst lief alles unauffällig, ich kam gut unten an und wartete auf die Öffnung des Schleusentores. Und wartete..
Es passierte nichts und über das achterliche Schleusentor rauschte mittlerweile ordentlich Wasser. Klar, die Boote nach mir brachten ja immer wieder eine Kammer voll Wasser mit und das wollte irgendwo hin. Also in meine Schleusenkammer.
Nach einer halben Stunde kam eine herbeigerufenen Schleusenwärterin und versuchte, das Tor zu öffnen. Ging leider nicht. Da ein Werkzeug fehlte fuhr sie erst mal wieder weg und kam nach ca. 15 Minuten zurück. Sie erklärte mir, dass sie mich erst mal wieder rauf schleusen muss, um es dann erneut zu versuchen.
So passierte es auch, ein zweites Boot legte sich mit in die Kammer und dann ging es wieder runter. Diesmal ging alles gut. In Schleuse 36 erst mal das gleiche, jedoch als ich wieder telefonieren wollte entschied sich die Schleuse doch zu öffnen.
In Schleuse 37 wiederum der selbe Fehler, diesmal konnte ich die Öffnung mit etwas herzhaftem Gerackel am Schleusentor einleiten 🙂

Eine der späteren Schleusen war dermaßen voll Wasser, dass kaum ein Rand übrig blieb. Damit waren meine Fender nutzlos und ich bremste mit dem Gelcoat. Aua, das macht mich gar nicht glücklich. Ist aber nichts passiert. Nun gut, meine Reise nähert isch dem Ende, Rheinau ist fast in Spuckweite.

Wintersaison

Seit dem 22.10. liegt die Caribbean nun am Winterplatz und ich bereite mich und das Boot auf die kalte Jahreszeit vor. Es sind einige Kleinigkeiten zu tun wie Undichtigkeiten im Heizsystem, Holzpflege und anderes. Nicht so wirklich interessant, daher werden die Lücken in den Berichten jetzt deutlich länger.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch, ich werde in der nächsten Zeit mein Foto- und Videomaterial sichten und kleine Filme zusammenschneiden. Das sollte uns alle über den Winter bringen mit schönen, besinnlichen und vor allem sonnigen Szenen.

Grüße vom Boot

Peter und Berti

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